Hoffnung - das Licht 
am Horizont

Wenn wir an Hoffnung denken, so lassen sich

viele Szenarien vorstellen, bei denen wir sagen

würden "Ich hoffe...". Es sind aber nicht diese all-

täglichen, allgemeinen Hoffnungen, um die es

hier gehen soll. Es ist diejenige, die plötzlich wie

ein helles Licht aufscheint, die Seele leicht

macht in Phasen der Belastung und Bedrückung.

In Zeiten, in denen wir uns überfordert fühlen,

keine Lösung mehr sehen - die Lage ziemlich

aussichtslos erscheint. Es fehlt uns die Sicht auf

den Weg, der möglich wäre hin zu etwas Besse-

rem. 

Wenn die Hoffnung dann aufblitzt, kann uns

wieder neue Energie erfassen, Gefühle von

(Vor-)freude, Erleichterung, Befreitheit durch-

strömen uns. Selbst wenn der Weg zum Hoff-

nungsziel noch nicht gesehen wird - das Ziel

selbst erscheint sichtbar am Horizont, es er-

scheint möglich, vielleicht sogar schon fast 

greifbar. Und in diesem Augenblick durchbricht

die Hoffnung als positive Energie den Kreislauf

negativer Gedanken und Gefühle mit all ihren

schädlichen Auswirkungen. 

Die Vorstellung, dass es uns bald wieder besser gehen wird oder gar gut oder dass etwas Befürchtetes nicht

 eintreten wird, löst positive Emotionen aus. Diese sind es nun, die ihrerseits mit biochemischen Prozessen im

 Körper einhergehen, welche schmerzlindernd, beruhigend und stimmungsaufhellend wirken.

Vorstellungen haben Einfluss auf die Strukturen im Gehirn. In seinem Buch „Die Macht der inneren Bilder“

schreibt der Neurobiologe und Hirnforscher Dr. Gerald Hüther: „Wie die Hirnforscher in den letzten Jahren

zeigen konnten, ist die Art und Weise, wie ein Mensch denkt, fühlt und handelt, ausschlaggebend dafür,

welche Nervenzellverschaltungen in seinem Gehirn stabilisiert und ausgebaut und welche durch unzureichende

Nutzung gelockert und aufgelöst  werden. (…) Von der Beschaffenheit dieser einmal  entstandenen inneren

Bilder hängt es ab, (…) welche neuronalen und synaptischen Verschaltungen deshalb in seinem Gehirn gebahnt

und gefestigt werden (1).“

Doch wir alle wissen, dass Hoffnung kein allzeit überdauernder Zustand ist. Es kommt zu Rückschlägen von

außen, Fakten, die gegen das Eintreten des Erhofften sprechen, innere Einbrüche - weitere Tiefpunkte. 

Das führt nun zu der Frage: Was erhält die Hoffnung aufrecht? Welche Faktoren beeinflussen sie? 

Vor allem aber: 

Was kann jeder von uns selbst dafür tun, dem Ziel der Hoffnung näher zu kommen?

 

 

Was fördert Hoffnung?

Ein sehr wichtiger hoffnungsfördernder Faktor sind unterstützende, vertraute und stabile Beziehungen zu

 anderen Menschen. Beziehungen, in denen man sich geliebt, gebraucht und wertgeschätzt fühlt, vermitteln

 eine grundlegende Atmosphäre von Geborgenheit. Gerade in Zeiten der Erschütterung und Verunsicherung

 sehnen wir uns nach Sicherheit, nach Menschen, die uns emotional Halt geben. Unterstützung durch andere

 kann in Form von Taten, positiven Bestärkungen, aber auch Informationen kommen, die im Hinblick auf das

 Hoffnungsziel relevant sind. Eine weitere Gruppe von Menschen, die Hoffnung vermitteln können, sind

 professionelle Helfer bzw. Experten. Auch sie bieten emotionale Unterstützung oder liefern Fakten, die uns

 weiterbringen könnten. Hoffnung keimt außerdem häufig auf, wenn wir entsprechende Texte bzw. Bücher lesen

 oder Podcasts hören; sie kann durch das Sehen von positiv ausgerichteten Filmen/Fernsehbeiträgen entstehen

 und immer wieder neu entfacht werden. Auch die Beobachtung der Erfahrungen anderer oder das Wissen um

 diese tatsächlichen Ereignisse kann neuen Mut entstehen lassen. 

 

Einen enormen Beitrag zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Hoffnung leistet unser Glaubenssystem: Der

 Glaube an den eigenen Sinn im Leben, der Glaube an eine spirituelle Macht, die letztendlich doch immer in

 irgendeiner Form noch rettend eingreifen wird oder ganz allgemein ein Vertrauen, dass das Leben, das

 Schicksal es im Grunde gut mit uns meint. Hierzu kann auch der Glaube an positive „Fügungen“, glückliche

 Wendungen oder Zufälle zählen oder eben eine verinnerlichte spirituelle Begleitung, die uns immer verfügbar

 scheint und die nicht von äußeren Glaubensvorgaben beeinflusst ist. Gute Glaubensvorstellungen fühlen sich

 stimmig an, gehen mit einem inneren Wohlbefinden einher, mit einem hellen warmen Gefühl von Frieden – und

 eben mit Hoffnung. Daran erkennen wir ihre Qualität. Sie wirken unterstützend, geben neue Kraft.

 Auf der Suche nach Hoffnung oder in dem Bemühen, sie aufrecht zu erhalten, liegt es daher auch in unserem

 Einflussbereich, manche dieser Kraftquellen gezielt anzuzapfen.

 

Gleichzeitig ist es aber äußerst wichtig, auch tatsächlich aktiv zu werden. Ganz entscheidend ist nämlich der

 Glaube an uns selbst: Dass wir selbst etwas bewirken können, dass wir in entscheidendem Maß dazu beitragen

 können, unsere Situation zu verbessern. Und falls wir uns im Moment zu geschwächt dazu fühlen: Dass es 

 zumindest etwas nützt, Hilfe zu suchen, sich anderen zu öffnen, sich zu informieren, was man tun kann. 

 

 

Hoffnung und Selbstwirksamkeit

Sicherlich hängen einige der Einflussfaktoren auf das Hoffnungsziel von äußeren Bedingungen ab, die sich

 außerhalb der eigenen Kontrolle befinden. Doch immer gibt es auch etwas, das man selber tun kann. In der

 Psychologie nennt man das Selbstwirksamkeit: Die Überzeugung, dass man selbst etwas bewirken kann.

 Menschen, die resignieren, glauben nicht mehr an ihre Selbstwirksamkeit. Vielleicht haben sie schon einiges

 ausprobiert und sind letztlich immer gescheitert. Zumindest im Hinblick auf persönlich wichtige Ziele, die sie

 sich gesetzt hatten. Vielleicht haben sie auch keine Kraft mehr zu handeln, körperlich und/oder psychisch.

 Doch führen wir uns einmal vor Augen, dass jedes Wort, das wir aussprechen und jede Handlung, die wir tun,

 Auswirkungen hat auf unser Umfeld - aber auch auf uns selbst zurück wirkt. Und - was ebenso wichtig ist -

 dass auch all das Nicht-Gesagte und Nicht-Getane Auswirkungen hat. "Man kann nicht nicht kommunizieren,"

 schreibt Paul Watzlawick (2). Das Nicht-Sprechen ebenso wie das Nicht-Tun haben Konsequenzen. 

 Diese können positiv oder negativ sein, genauso wie die der aktiven Variante.

 Wenn man nun keine Energie mehr hat, gibt Hoffnung auch wieder Kraft zum Handeln. Und wer kann schon mit

 Sicherheit sagen, dass die Lage aussichtslos ist?

 

Hier eine kleine Hoffnungsgeschichte der Selbstwirksamkeit: Der renommierte Psychiater und Hypnosethera-

peut Milton Erickson war dafür bekannt, auch schwer erkennbare Ressourcen seiner Patienten für deren 

Therapie zu nutzen. Einmal wurde ihm ein Mann im Rollstuhl gebracht, der aufgrund einer Arthritis aus-

schließlich noch minimal seinen Daumen sowie den Kopf bewegen konnte. Er war nicht mehr in der Lage, die

 notwendigsten Verrichtungen des Tages zu erledigen wie sich selbst anziehen oder eigenständig essen. Der

Mann war voller Wut und verbrachte jeden Tag damit, sein Schicksal zu verfluchen. Erickson wies ihn darauf

hin, dass er aber fähig wäre, seinen Daumen ein klein wenig zu bewegen. Er erteilte ihm die Aufgabe, täglich

Bewegungsübungen mit diesem Daumen zu machen. Obwohl der Patient von der Sinnlosigkeit der Übungen

überzeugt war, führte er sie dennoch aus. Mit der Zeit stellte er fest, dass nicht mehr nur der Daumen sich

bewegte, sondern auch der Zeigefinger daneben. Das motivierte ihn, immer mehr Zeit in seine Übungen zu

investieren.

Nach und nach war er wieder in der Lage, mehr und mehr Bewegungen auszuführen, so dass er nach einiger

 Zeit eine Arbeit annehmen, später einer Schulabschluss nachholen, ein Studium absolvieren sowie Präsident

eines Ordens werden konnte. Seine Krankheit verschwand nie vollständig, es gab auch immer wieder Rück-

schläge – er hatte aber gelernt, seine Möglichkeiten zu nutzen (3).

 

Man könnte jetzt denken: Das war eine Ausnahme. Und in meinem Fall liegen die Dinge ja auch ganz anders.

Und wenn ich dann wieder Versuche mache, mir Mühe gebe, Energie reinstecke und wieder nichts dabei 

heraus kommt, wird es noch schlimmer. Dann resigniere ich noch ganz. 

 

Das ist absolut verständlich. 3 Fragen möchte ich dem entgegenstellen:

 

1. Wie wird es mir gehen, wenn ich so weiter mache und nichts Neues versuche?

 

2. Könnte ich auf Rückschläge auch anders reagieren als mit Resignation – vielleicht indem ich mit Hilfe von

     neuen Informationen oder Anregungen von außen meine Lösungsversuche verbessere?

 

3. Wie geht es mir, wenn ich glaube, dass ich aus der mentalen Endlosschleife des Problems ausbrechen, sie

     aufbrechen und einfach mal in eine ganz neue Richtung gehen kann?

 

Wenn du also in einer schlechten Phase bist, frag dich:  Kann ich wirklich NICHTS machen? 

Was hindert mich  daran, es zu tun?  Wie könnte ich das, was mich hindert, abbauen? 

Wen könnte ich um Hilfe bitten? 

Mit welchem kleinen, erträglichen Schritt könnte ich anfangen? 

 

Wenn wir unser Denken auf die Hoffnung ausrichten, kann sie das wunderbare Auftreten der Inspiration 

fördern. Ideen, Gedanken, Bilder steigen auf, kreative Einfälle entstehen. Diese führen dann weiter, sind 

Hinweise auf den Weg zum Ziel. Durch die Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf die Hoffnung wird man mutiger,

freier, offener, so dass Hinweise und Informationen auch wieder wahrgenommen werden können, die man mit

den Scheuklappen der Niedergeschlagenheit gar nicht mehr gesehen hätte. Denn wir brauchen ein bisschen

Mut für neue Wege.

 

 

Was, wenn sich die Hoffnung trotzdem nicht erfüllt?

Das Leben ist ständig in Bewegung. Veränderungen treten ein, manchmal gute, manchmal schlechte. Wir selbst,

 unser Denken und Wünschen ist Teil dieser Veränderung. Manchen Tatsachen kann man sich nicht entziehen,

 während andere Bedingungen beeinflussbar sind. Die Entscheidung, ob eine bestimmte Hoffnung aufgegeben,

 also ihre Unerfüllbarkeit einfach akzeptiert werden muss, oder ob das Ziel weiter verfolgt wird, muss von 

 jedem persönlich getroffen werden. Zunächst kann man sich fragen, ob man an der eigenen Denkweise, am 

 eigenen Verhalten etwas ändern könnte, neue Wege beschreiten, um diese Hoffnung zu erhalten. Entsprechend

 könnte man sich fragen: Bin ich zu starr in meinem Denken? Schließe ich Möglichkeiten von vornherein aus?

 Habe ich wirklich genug dafür getan oder benutze ich die Hoffnung vielleicht nur als Mittel gegen Angst, gegen

 negative Stimmungen – ohne jede Handlungsabsicht? Wie wahrscheinlich ist es, dass die Hoffnung sich erfüllt,

 wenn ich bei mir nichts ändere?

 

Lebendigkeit bedeutet auch immer ein Stück weit Flexibilität und Anpassung an neue Gegebenheiten. Vielleicht

 ist es wirklich nötig, eine bestimmte Hoffnung aufzugeben. Evtl. war sie zu spezifisch, zu sehr abhängig von 

 äußeren Faktoren oder von bestimmten Menschen, die etwas anderes wollten. Wie könnte die spezifische 

 Hoffnung in eine allgemeinere ausgeweitet werden, die neue Chancen eröffnet?

 

Eine weitere Möglichkeit wäre, ein Ziel zu finden, das in seinem Sinn, seiner Werthaltigkeit vergleichbar ist mit 

 dem vorhergehenden. Falls auch das keine Option ist, kann sich unsere Hoffnung trotzdem – oder jetzt erst

 recht – ganz neu ausrichten: Auf das Beste, was unter den eingetretenen Bedingungen im Moment möglich ist. 

 

Natürlich ist mit dem Aufgeben einer Hoffnung immer auch ein Trauerprozess verbunden. Das Gefühl der 

 Hoffnung an sich kann aber dennoch wieder in neuer Form aufleben und muss nie aufgegeben werden. 

 Selbst am Ende des Lebens kann man immer noch hoffen, dass das Sterben leicht gehen möge, auf ein 

 Gehalten-Werden in Liebe von etwas oder jemandem und – je nach persönlichem Glauben – auf eine 

 Daseinsform, ein wunderbares Wohlergehen über diese Schwelle hinaus.

 

Wenn wir auf diese Art flexibel mit der Hoffnung leben, dann müssen Tiefschläge oder Enttäuschungen nicht 

 zu Resignation und Verbitterung führen. Die Bereitschaft, offen zu sein für neue Wege im Denken und Handeln

 hat dabei die Schlüsselfunktion. Diesen Schlüssel halten wir in unserer Hand - und so kann uns die Hoffnung

 immer helfen, mehr Leichtigkeit, Freude und frischen Mut in unsere Seele zurück zu bringen.

 

 

Es ist besser, ein einziges kleines Licht anzuzünden, 

als die Dunkelheit zu verfluchen. 

(Konfuzius)

 

Quellenverweise:

 

(1) Hüther G. (2014). Die Macht der inneren Bilder: Wie Visionen das Gehirn, den  Menschen und die Welt 

     verändern. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht).

 

(2) Watzlawick P., Beavin J.H., Jackson Don D. (1969). Menschliche Kommunikation.

     Bern, Stuttgart, Wien (Huber).

 

(3) Short D., Weinspach C. (2010). Hoffnung und Resilienz: Therapeutische  Strategien von Milton H. Erickson. 

    Heidelberg (Carl-Auer)

 

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